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Speiseöle sind mehr... | ![]() |
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Speiseöle sind mehr als nur Bratfette oder Grundlage für Salatdressings. Als Aroma- und Geschmacksträger sind sie in der Küche unersetzlich, aber viele Speiseöle leisten darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit, denn sie enthalten essentielle Fettsäuren, die der Organismus benötigt, aber nicht selber bereitstellen kann. Weitgehend unbekannt ist den meisten Menschen, dass viele gute Speiseöle nicht aus fernen Ländern importiert werden, sondern auch regional produziert und vermarktet werden. Regional erzeugte Öle haben wegen der kurzen Vertriebswege nicht nur die üblichen Vorteile einer besseren Umwelt- und Klimaverträglichkeit, sondern sie erreichen den Konsumenten frisch hergestellt und ohne Qualitätsminderung. Im Saarland stellt beispielsweise die Bliesgau-Ölmühle in Homburg-Einöd regionale Speiseöle her. Wir sprachen mit Patric Bies, einem der Betreiber: Herr Bies, was hat Sie damals bewogen, im Bliesgau eine Ölmühle zu gründen? Bies: Bis auf Raps hatten die heimischen Ölpflanzen bis vor wenigen Jahren in der saarländischen Landwirtschaft praktisch keine Bedeutung. Um sie populär machen zu können, mussten sie erst wieder angebaut, verarbeitet und vermarktet werden, ein Projekt das die Gesellschaft für nachwachsende Rohstoffe e.V. einst initiierte und mit Mitteln des Förderprogramms "Regionen Aktiv" und des Saarländische Umweltministerium unterstützt wurde. Unsere Ideen trugen bereits erste Früchte, als ich im Bliesgau dem Landwirt Hans Pick und den Bliesgau-Produzenten Jörg Hector begegnete, die Ähnliches beabsichtigten: die Gründung eines regional orientierten Ölmühlenbetriebes - Die Bliesgau Ölmühle.
Die Betreiber der Bliesgau Ölmühle von links nach rechts: Patric Bies, Jörg Hector und Hans Pick Welche Speiseöle werden in der Ölmühle hergestellt? Bies: Von Anfang setzten wir auf weniger bekannte Ölpflanzen: Leindotter, Leinen, Mariendistel, Mohn und Hanf aber auch Raps werden bei uns zu Öl gepresst als "Bliesgauöl" vermarktet. Wir führen aber auch Lohnpressungen für andere Unternehmen durch. Nächstes Jahr ist ein größeres Anbauprojekt mit Sonnenblumen und mit Walnüssen geplant. Werden die betreffenden Ölpflanzen auch regional angebaut? Bies: Selbstverständlich werden alle unsere Ölsaaten regional bezogen. In erster Linie von unseren hundert Meter entfernt liegenden Ölfeldern auf der Einöder Höhe und von Landwirten im Bliesgau, dem St. Wendeler Land oder der benachbarten Pfalz. Praktisch gibt es alle genannten Öle konventionell oder in Bioqualität. Beim ökologischen Anbau z.B. von Leindotter und Senf favorisieren wir den Mischfruchtanbau mit anderen Kulturpflanzen z.B. mit Getreide, Gerste, Dinkel usw. Das halten wir für die naturverträglichste Version des Ackerbaus!
Leindotterfelder auf der Einöder Höhe über Zweibrücken Wie hat man sich den Herstellungsprozess der Öle vorzustellen? Bies: Die Ölsaaten werden nach ihrer Ernte, getrocknet, gereinigt, ggf. gelagert und mittels Schneckenpressen kalt gepresst, d.h. die Öle werden nicht wärmer als 40 °C. Somit behalten sie ihren Geschmack und ernährungsphysiologische Eigenschaften. Nach wenigen Tagen setzen sich die Trübstoffe auf dem Boden der Tanks ab und heraus kommt ein klares Öl von höchster Güte aber mit begrenzter Haltbarkeit. Leindotteröl ist eine Ihrer Spezialitäten. Welche Vorzüge hat dieses Öl? Bies: Als erster Hersteller in Deutschland haben wir entdeckt, dass Leindotteröl viele positive Eigenschaften anderer Speiseöle enthält und sicher viele Freunde findet. Hervorzuheben ist der hohe Gehalt an Alpha-Linolensäure, einer Omega-3-Fettsäure (42 bis 48 Prozent). Es besitzt einen sehr feinen Geruch, etwa wie frisch gemähter Löwenzahn duftend, wogegen der Geschmack an Erbsen oder Spargel erinnert. Ein herausragendes Öl, das dem Olivenöl geschmacklich nicht nachsteht und der Bliesgau ist inzwischen das bekannteste Anbaugebiet für Leindotter in Deutschland. Neben dem genannten Leindotteröl und den gängigen Speiseölen (Sonnenblume, Raps Leinsamen) fallen in Ihrem Sortiment noch die Sorten Hanf-, Mohn- und Mariendistelöl auf. Welche Bewandtnis hat es damit? Bies: In unserer Klimazone verfügen wir über ein Potenzial von über 30 Ölpflanzen, die meist Speiseölqualitäten besitzen aber deren Anwendungsmöglichkeiten völlig unbekannt oder verloren gegangen sind. Alle diese Öle verfügen über verschiedene Fettsäuren mit positiven Wirkungen auf die menschliche Gesundheit. Aber wir wollen ja nicht ausschließlich "gesunde" Öle herstellen. Der Genuss soll dabei nicht zu kurz kommen. Neben Speiseölen produzieren Sie auch Senf. Warum diese Kombination Öl-Senf? Bies: Raps und Leindotter sind direkte Verwandte des Senf, also warum einen Bogen um Senf machen? Es lag also nahe, sich mit Senf zu beschäftigen, zumal seit über 25 Jahren kein Streichsenf mehr im Saarland hergestellt wurde und man folglich auch keine Senfsaaten mehr im Saarland anbaute. Das haben wir geändert. Inzwischen beträgt die Gesamtanbaufläche für Senfsaaten etwa 10 Hektar. Gibt es weitere Spezialitäten, auf die Sie hinweisen möchten? Bies: Aktuell begeistert mich der Apfelessig von Doris Kratkey. Die Äpfel hierfür stammen von den Streuobstwiesen des Bliesgaus. Wir stellen den Essig zwar nicht selbst her, werden aber mit ihm in Kürze einen Bliesgau Senf komponieren, denn neben Senfsaaten bildet Essig die Hauptzutat für Streichsenf. Wie gelangt man an Ihre Produkte? Gibt es einen Hofverkauf? Welche Vertriebsstellen gibt es? Bies: Unsere Produkte sind natürlich in unserer Ölmühle erhältlich. Einige finden sich in den "Bliesgau Regalen" mit Standorten in verschiedenen Geschäften. Aber auch in normalen Einzelhandelsgeschäften mit Regionalwaren oder in den Hofläden sind wir vertreten. Ich will auch nicht verschweigen, dass unser Internethandel enorm zugenommen hat und Bestellungen aus ganz Deutschland eingehen. Bei Leindotteröl gehen unsere Kontakte in die ganze Europäische Union. Haben Sie noch einen speziellen Tipp für die Verbraucher bezüglich der Verwendung, Lagerung etc. von exquisiten Speiseölen? Bies: Speiseöle verfügen nicht über die besten "Lagerqualitäten". Dafür können wir nichts. Das hat die Natur so eingerichtet. Deshalb mögen sie es am liebsten dunkel und kalt, also im Kühlschrank aufbewahrt zu werden. Es ist also umgekehrt wie beim Olivenöl. Vielen Dank für das interessante Gespräch! Bezugsquellen für regionale Speiseöle und Senf: Mettlacher Abteisenf Manufaktur Läden mit Leindotteröl: Lokalwarenmarkt Wendelinushof Martinshof - Stadtladen www.martinshof.de/stadtladen.html Naturkost Schales GmbH Völklingen Tel. 0 68 98 - 1 64 27 sowie im Bliesgauregal siehe: www.leindotter.de/herstellung.html |
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