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Im Zuge der Globalisierung geraten die ländlichen Regionen ins Hintertreffen. Der wirtschaftliche Fokus liegt auf den Ballungsgebieten. Gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklungen greifen zuerst in den urbanen Zentren und potenzieren sich dort.

Stadt und Land

Die Peripherien werden immer stärker von den allgemeinen Standards abgekoppelt und die Kluft zwischen Stadt und Land wird größer. Eine Vernetzung der strukturarmen ländlichen Regionen wird immer notwendiger, um diesem Trend entgegenzuwirken. Ein Internetportal mit entsprechender Aufgabenstellung kann dazu einen Beitrag leisten; das ist unsere Zielsetzung.

Regionalität und Selbstverständnis


Die Identität einer Bevölkerung hängt sehr stark von der sie prägenden Region ab. Die kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Eigenheiten einer Region wirken sich daher unmittelbar auf das Selbstverständnis ihrer Bewohner aus.

Grube Velsen Unter saarländischer Identität mag jeder etwas anderes verstehen, aber es gibt einige Faktoren, die für die meisten Saarländer dazugehören: die Montantradition, die charakteristischen Landschaftsformen, die Nähe zum Nachbarn Frankreich, die typische Lebensart...

Eine saarländische Identität ist historisch gesehen relativ neu - das Saarland ist eine Schöpfung des 20. Jahrhunderts - aber es gab immer ein regionales Selbstverständnis. So generiert sich die saarländische Identität letztlich als Mosaik aus den regionalen und lokalen Eigenheiten.

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte haben die saarländischen Regionen manches Prägende einbüßen müssen. Bergbau und Stahlindustrie sind infolge der weltweiten Konkurrenz beinahe vollständig verschwunden, landwirtschaftliche Aktivitäten sind stark zurückgegangen oder konzentrieren sich punktuell, die Landschaft hat sich infolge Bebauung und Versiegelung, bzw. durch Rückzug und Brachlegung teilweise stark verändert und autarke Dorfgemeinschaften sind vielerorts durch Pendlersiedlungen ersetzt worden.

Identitätsstiftende Merkmale verschwinden zusehends aus unserem Umfeld und es wird immer schwerer ein heimatliches Selbstverständnis zu entwickeln.

Letztendlich sind die Dinge des alltäglichen Lebens die Definitionsgrundlage für unser Selbstverständnis, wobei wir in zunehmendem Maße Waren vom globalen Markt konsumieren, deren Herkunft und Zusammensetzung für den Verbraucher immer undurchschaubarer werden. Ebenso wie die lokalen Traditionen gegen "Events" globaler Prägung (Halloween!) eingetauscht werden, verschwinden auch die lokalen Güter vom Einkaufszettel und werden durch internationale Marken ersetzt.

Regionen stärken heißt Identität zu stiften

Es spricht an sich nichts dagegen, sich als "Weltbürger" zu fühlen, aber die Preisgabe der regionalen Identität zugunsten einer allgemeingültigen Internationalität bedingt die kulturelle Verarmung durch Angleichung an Allgemeingültiges, den wirtschaftlichen Niedergang durch Wegfall eigener Ressourcennutzung und den Verlust individueller Eigenständigkeit durch Aufgabe lokaler Gepflogenheiten. Aus diesem Grund ist es in einer Zeit der Globalisierung notwendig, historisch gewachsene regionale Gefüge zu bewahren und zu stärken und eine Lokalisierung als Gegengewicht zu manifestieren.

Wendelinushof Die Regionen stärken bedeutet unter anderem, stabile lokale und nachhaltig wirksame Wirtschafts- kreisläufe zu schaffen. Das wird durch den Auf- und Ausbau von Wertschöpfungs- ketten erreicht; etwa: lokale Haltung von Milchvieh - lokale Verabreitung der Milch - lokaler Vertrieb der Milchprodukte.

Derartige Projekte werden unter anderem durch das LEADER-Programm der EU gefördert und sollen primär dazu dienen, den lokalen Eigenbedarf an Grundgütern zu decken und sekundär, die lokale ländliche Wirtschaftskraft durch Überschussproduktion, die nach außen vermarktet werden kann, zu stärken.

Lokalwarenmarkt Dadurch wird die "verkehrte globalisierte Welt" in einem abgesteckten Rahmen wieder gerade gerückt. Anstatt seinen Grundbedarf global - durch Waren aus dem Supermarkt - zu decken, bedient man sich wieder der eigenen lokalen Ressourcen; zusätzlicher Bedarf, der nicht lokal gedeckt werden kann, wird zuerst durch das Warenangebot der Nachbarregionen aufgestockt.

Im günstigsten Fall resultieren daraus mehrere Effekte:


Die Förderung der ländlichen Entwicklung und der lokalen Warenmärkte ist keinesfalls folkloristisch motiviert. Es geht nicht darum, Besucher durch ein buntes Treiben aufs Land zu locken. Es geht aber darum, den gesellschaftlichen Abkopplungseffekt, der in den ländlichen Regionen infolge der Globalisierung um sich greift, zu stoppen und dem internationalisierenden Trend einen lokalisierenden entgegen zu stellen.

Im Saarland haben sich 8 Regionen etabliert, darunter die 3 LEADER-Regionen

Biosphärenreservat Bliesgau
Kulturlandschaftsinitiative St.Wendeler Land
Lokale Aktionsgruppe Warndt

und die 5 ILEK-Regionen

Saar-Obermosel
Hochwald
Saargau
Saar-Prims-Bogen
Illtal


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